Biografie

Kurzfassung

Dem ersten Solobratschisten des SWR Symphonieorchesters in Stuttgart, Jean-Eric Soucy, gelang kürzlich die Wiederentdeckung sowie die Herausgabe und erstmalige Aufnahme der drei klassischen Concertos Friedrich Wilhelm Heinrich Bendas (1745/1814). 

Dieses über mehrere Jahre andauernde Projekt steht in Kontinuität zu seinem Engagement und seinen Überzeugungen als vielseitiger Solist. Überdies ergänzen Kammermusik, Rezitale und das Unterrichten seine Tätigkeit im Orchester. 

 Als Solist und Kammermusiker bereiste er alle fünf Kontinente: von Tourneen in Australien über Meisterkurse in Brasilien bis hin zu musikalischen Begegnungen während der Musikfestivals in Spanien, Belgien, Österreich, Tunesien und vielen weiteren Ländern. Diese Erfahrungen eröffneten ihm faszinierende Welten und das nicht nur im Bereich des Klassischen. Auch alternative Projekte in Begleitung von Künstlern wie z.B. Nigel Charnok, Michael Riessler, Ken Zuckerman, Serge Denoncourt, Pierre Charial, sind Teil seines Programms geworden und haben seinen künstlerischen Horizont erweitert. 

 Es fällt schwer, dieses Leben voller Begegnungen, angeregt durch die Entdeckung und Interpretation des breiten Repertoires, das die Bratsche zu bieten hat, zusammenzufassen. 

Eines steht jedoch fest: Die Geschichte des Austauschs und der Freude an der Musik ist noch lange nicht zu Ende. 

 Lange Fassung

 Nach seiner Ausbildung an der Musikhochschule von Québec und Montréal, wo er mit Erstpreisen für Bratsche und Kammermusik ausgezeichnet wird, setzt er sein Studium in Österreich bei Hatto Beyerle fort, damaliger Professor für Viola und Kammermusik an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Im Laufe verschiedener Meisterkurse und Praktika lernt er mehrere musikalische Persönlichkeiten kennen, die ihm neue Einblicke ermöglichen in eine Welt, die ihn fasziniert. Die Bratschisten Raphael Hyllier, Max Rostal, Paul Doktor, Emanuel Vardi sowie der Flötist Alain Marion, der Geiger Zoltán Székely, der Cellist Tsuyoshi Tsutsumi, der Oboist Perry Bauman und die Dirigenten Klaus Tennstedt und Simon Streatfeild haben alle auf ihre Weise zur Heranreifung des jungen Musikers beigetragen. 

1988 nimmt Jean-Eric Soucy zum ersten Mal an einem internationalen Wettbewerb Teil, dem Lionel Tertis Viola Competition in Großbrittanien (Isle of Man), und gewinnt den dritten Preis. Bei zwei anderen Wettbewerben zählt er zu den Halbfinalisten: den Maurice Vieux in Frankreich und den Naumburg in New-York. Im Anschluss dieses letzten Wettbewerbs schrieb Jacqueline Jones im The String Magazine: „One of the favorites because of his sweeping phrases and rather dusky, plaintive sound“. 

 Nach seinen Debuts von 1982 mit dem Canadian Chamber Orchestra (Solobratschist) wird er im  ältesten Orchester Kanadas eingestellt, dem Symphonieorchester in Québec. 1986 wird er zum Solisten ernannt und besetzt diesen Posten bis 1991. Parallel gründet er 1984 zusammen mit Bernard Labadie die Violons du Roy, gewiss eines der besten Kammermusik-Ensembles dieser Zeit, bei dem er bis 1991 als Solobratschist tätig ist. 

 Noch in der gleichen Periode ruft er das Kammermusik-Festival Le Rendez-Vous Musical de Laterrière ins Leben, bei dem er bis 2003 als Künstlerischer Leiter mitwirkt. Dieses Festival vereint Musiker aus Europa und Amerika, die ihre Karriere als Solisten für einen Augenblick beiseite legen, um zusammen zu kommen und sich der Kammermusik auf höchstem Niveau zu widmen. Ihm verdanken wir ebenfalls die Verwirklichung verschiedener Musikcamps, darunter Pâques de Quatuors und Symposiums internationaux d’alto in Quebec und Österreich. 

 1992 wird er schließlich Nachfolger Ulrich Kochs als Erster Solobratschist des Rundfunkorchesters von Baden-Baden-Freiburg (SWR Symphonieorchester), das nach einer umstrittenen Fusionierung zum SWR Symphonieorchester Stuttgart wurde. Er besucht als Gast-Solist das Basler Sinfonieorchester, das Opernhaus Zürich, die Bamberger Symphoniker, das Frankfurt Rundfunkorchester, die Stuttgarter Philharmonie, NDR Hannover, das Gewandhaus zu Leipzig, das Philarmonische Staatsorchester Hamburg und viele weitere, insgesamt über vierzig Orchester auf zwei Kontinenten. 

 Als Solist hat Jean-Eric Soucy Werke von u.a. Bartok, Benda, Telemann, Stamitz, Mozart (Concertante), die Suite Waughan-Williams, den Lachrymae von Britten, Harold von Berlioz in renommierten Konzerthallen wie die Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom oder der Alten Oper in Frankfurt gespielt. Er kollaboriert u.a. mit den Dirigenten Bernard Labadie, Sylvain Cambreling, Arnold Östmann, Simon Streatfeild und Jonathan Cohen. Er produziert Aufnahmen für Kanadische, belgische, österreichische, italienische, schweizerische und luxemburgische Rundfunke und für die Verläge Haensler, Antes, CPO, Arte Nova, Ars und See Igel Edition. 

Boulez, Grisey, Zender, Ospald und andere Komponisten unserer Zeit sind für Jean-Eric Soucy Teil des musikalischen Alltags. 

Jean-Eric Soucy spielt auf einem wunderschönen Instrument des Geigenbaumeisters Stefan Hodapp (Offenburg 1998).